Proteste gegen geplante Leichen-Show in München

München (epd). In Bayern gibt es erste Proteste gegen den Plan des umstrittenen Anatomieprofessors Gunther von Hagens (57), nach der öffentlichen Zerlegung einer Leiche in London das Gleiche in München zu tun. Das für Februar nächsten Jahres beabsichtigte Vorhaben sollte verhindert werden, appellierte der Evangelische Arbeitskreis der CSU am Freitag an Ministerpräsident Edmund Stoiber und CSU-Fraktionschef Alois Glück.

Die Leichenöffnung vor zahlendem Publikum sei eine «morbide PR-Tour», sagte der stellvertretende Landesvorsitzende des Arbeitskreises, Harald Häßler (Nürnberg). Es gehe dabei nur um Sensationsgier, nicht um Wissenschaft. Wenn die Behörden keine Handhabe gegen das Spektakel hätten, müsse notfalls der Gesetzgeber tätig werden.

Auch die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler forderte Respekt vor den Verstorbenen. «Tote medienwirksam auszuschlachten, ist Barbarei», schrieb sie in einem Gastkommentar für die Münchner Abendzeitung. Sie sprach von einem Bruch mit den Grundwerten der Zivilisation: «Knochen krachen zu hören und zersetzte Organe ins Visier nehmen zu können, das war noch nicht da.»

Von Hagens hatte in London vor laufenden Fernsehkameras und 650 Zuschauern die Leiche eines im Alter von 72 Jahren gestorbenen Deutschen zerschnitten und mit einer Säge den Schädel geöffnet. Ihm gehe es um die «Demokratisierung der Anatomie» und eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Tod, erklärte er.



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